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76. Welche Zukunft für Europa?

Johannes von Müller,lxxiii ein Schweizer Gelehrter, der mit zahlreichen seiner Zeitgenossen in Briefkontakt stand, erwähnt in einem Brief aus dem Jahre 1778 die Bedeutung der Geschichte für die Vorausdeutung in die Zukunft. Er fühlt die Veränderungen, die sich für das europäische Kräftegleichgewicht ankündigen.

Es ist unglaublich, wie schön die Historie ist, aber der Historiker, da er über alle Punkte der Staatsverwaltung schreiben muss, bedarf aller Kenntnisse, die ein König haben sollte. Burgoynes Unglück muss mächtig wirken auf die Manier der Geschichtsschreiber, denn da sich Zeiten zubereiten, in welchen unser Weltteil vielleicht nicht mehr das erste Land der Welt sein wird, so werden die lokalen Kleinigkeiten, welche allein für besondere Fürsten wichtig sind, aus der Historie verbannt werden; hingegen wird man die ganze Historie der Alten und Neuern mit gleichem Auge, und verhältnisweise zu den bevorstehenden neuen Revolutionen betrachten, als ein Magazin von Staatsregeln, deren keine, wo nicht in dieser, doch in der neuen Welt, ohne Anwendung bleiben wird. Europa spielt vielleicht den letzten Aktus, und wir sind also nunmehr geschickter, jeden Umstand in dem großen Schauspiel, dessen Entwicklung sich nähert, zu schätzen, und ihm in den Annalen die gehörige Stelle anzuweisen, mein edler und einiger Freund.

Johannes von Müller, Briefe an Carl Victor von Bonstetten (1778).

Rechtefreier Originaltext unter: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k9633042c

Rechtefreie Audioversion des Originaltextes unter: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k9633042c/f9.vocal