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54. Die politische Einheit Europas

Eine Möglichkeit, die Einheit Europas, trotz aller Unterschiede, hervorzuheben, ist es, die Einstimmigkeit zu unterstreichen, mit der sie auf glückliche und tragische Ereignisse reagiert. Man denke beispielsweise an die Reaktionen der Zeitgenossen auf das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755. Hier, im Jahre 1746, erdichtet Diego de Torres Villarroel (1693-1770) ein allegorisches Europa, wenn er den Tod des spanischen Königs Philippe V. besingt.

Sonett

Was geschieht? Clio weint sich die Haare zerzaust,

Traurig, ungeduldig und unbeugsam

Und ihr schönes hochrotes Antlitz

Ist von verhängnisvollen Zypressen gekrönt.

Europa die Prächtige, Schwärmerische,

Die Fröhliche, die Liebende und Blühende,

Anderes Jerusalem, trauriger,

Ruht allein, einsam und untröstlich.

Was geschieht? Traurige Luft, unheilbringende Sonne,

Und der Himmel von Durchsichtigkeit schwanger,

So plötzlich verdunkelt, so schnell blass.

Welch Unruhe? Welch Schrecken? Welch Labyrinth

Überrascht die Welt? Was geschieht?

Was wird kommen? Philipp V. ist verstorben!

Diego de Torres Villarroel, „Sonett“ in Zerstreuungen der Muse (1751).

Rechtefreier Originaltext unter: http://www.cervantesvirtual.com/obra/sonetos--8/